Der Mythos des guten Außerirdischen: über das Skeptische Wunschdenken

English version: The Myth of the Good Alien: on Skeptical Wishful Thinking Please feel free to comment there at any time!

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Es ist offensichtlich und unbestreitbar: während das Denken von religiösen Menschen von allerlei Arten von irrationalen Vorgängen wie dem Bestätigungsfehler, Wunschdenken, Personalisation und so weiter beherrscht wird, denken bekennende Skeptiker (fast) immer rational, wobei ihre Gemütszustände einen sehr kleinen Einfluss auf ihre Denkfähigkeiten ausüben.

Fast alle von ihnen erreichten Schlussfolgerungen sind gut begründet und es sind nur die Vernunft und Evidenzen, die sie dazu führen, den reduktiven Materialismus als wahr zu erkennen, und alle Andersdenkenden zu verspotten und lächerlich zu machen.

Dennoch scheint es einem Außenseiter wie mir offensichtlich, dass selbsternannte Skeptiker genauso stark wie alle anderen Menschen zu kognitiven und psychologischen Verzerrungen neigen.

Die gesamte Idee, dass die überwiegende Mehrheit der intelligenten Außerirdischen im Weltraum Wesen voller Empathie und Liebe wären, ist ein vielsagendes Beispiel.  Während ganz bestimmt nicht alle Skeptiker daran glauben, ist es äußerst beliebt unter vielen skeptischen Kreisen über die Welt, insbesondere bei denen, die aktiv das SETI-Projekt unterstützen.

Der einflussreiche Artikel von Michael Shermer  The myth of Evil Aliens (der Mythos des bösen Außerirdischen) sollte immer als ein Fallbeispiel für diese Art von Selbsttäuschung betrachtet werden.

Ich werde das FERMI-paradox (wenn es so viele außerirdischen Zivilisationen um uns herum gibt, warum sehen wir sie nicht?) beiseite lassen und der Diskussion halber davon ausgehen, dass es zahlreiche außerirdischen Rassen im Universum gibt.

Der große Astrophysiker Stephen Hawking hat seine Sorgen über die möglichen Folgen eines Kontakts mit einer anderen intelligenten Rasse ausgedrückt.

Wie Shermer es berichtet hat:

“Gemäss Stephen Hawking sollten wir die Klappe halten.

Wir brauchen nur, auf uns selbst zu schauen, um einzusehen, wie intelligentes Leben sich zu etwas entwickeln könnte, dem wir nicht begegnen wollen. erklärte er im Laufe einer Dokumentarreihe beim Discovery Channel in 2010.

Ich stelle mir vor, dass sie in massiven Schiffen leben könnten, nachdem sie all die Ressourcen ihres Heimatsplanets abgenutzt haben. Solche fortentwickelten Außerirdischen würden vielleicht Nomade werden, die planen, jeden beliebigen von ihnen erreichten Planet zu erobern und zu kolonisieren.

Im Angesicht der Geschichte der Begegnungen zwischen irdischen Zivilisationen, wobei die fortgeschritteneren die unterlegenen versklavt oder zerstört haben,  schloss Hawking:

Wenn Außerirdischen uns je besuchen würden, denke ich dass der Ausgang der Situation ähneln würde, als Christoph Columbus erstmals in Amerika landete: es hat sich als eher ungünstig für die einheimischen Indianer herausgestellt. “

Während Hawking ganz gewiss nicht denkt, dass jede außerirdische Zivilisation sich auf diese Weise verhalten würde, klingen seine Sorgen meiner Meinung nach vernünftig. Wie verwirft sie Shermer?

“Ich bin skeptisch. Obwohl wir nur eine Probe aus N Versuchen repräsentieren, und unsere Gattung eine wenig beneidenswerte Erfolgsgeschichte von ersten Kontakten zwischen Zivilisationen aufweist, sind die empirischen Tendenzen des letzten halben Millenniums ermutigend: der Kolonialismus ist tot, die Sklaverei verschwindet, der Anteil der während Kriegen umkommenden Bevölkerungen nimmt ab, Verbrechen und Gewalttaten sinken, bürgerliche Freiheiten nehmen zu, und wie wir es in Ägypten und anderen arabischen Ländern bezeugen breitet sich der Wunsch für repräsentative Demokratien zusammen mit Erziehung, Wissenschaft und Technologie aus.

Diese Tendenzen haben unsere Zivilisation toleranter und weniger ausbeutend werden lassen.

Wenn wir diesen 500-Jährigen Trend auf 5000 oder 500 000 Jahre extrapolieren, kriegen wir eine Ahnung davon, wie eine außerirdische Intelligenz aussehen könnte.

In der Tat würde jede Zivilisation, die in der Lage ist, weite Distanzen im Weltraum zurückzulegen, den ausbeutenden Kolonialismus und nicht nachhaltige Energiequellen seit langer Zeit hinter sich gelassen haben. Das Versklaven der Einheimischen und das Ernten ihrer Ressourcen könnten kurzfristig gewinnbringend für irdische Zivilisationen sein, aber eine solche Strategie würde nicht tragbar sein für die zehntausende Jahren, die für Weltraumreise benötigt werden.

In dieser Hinsicht erzwingt uns das Nachdenken über außerirdische Zivilisationen,die Natur und Fortschritte unserer irdischen Zivilisation zu berücksichtigen, und schenkt uns die Hoffnung, dass es bei einer Kontaktnahme bedeuten wird, dass mindestens eine andere Intelligenz es geschafft hat, den Niveau zu erreichen, wo das Zügeln von neuen Technologien die Kontrolle von Mitgeschöpfen ersetzt und die Erkundung des Weltraums die Eroberung von Ländern vollständig ersetzt hat. Ad Astra!”

Nun glaube ich, dass das Wunschdenken von Schermer schon bei der Aufführung der gegenwärtigen angeblichen Fortschritte unserer eigenen Art anfängt. Er lässt die schädliche Folgen des vom ihm aktiv unterstützen Kapitalismus und Neokolonialismus völlig außer acht.

Dies wird das Thema von zukünftigen Posten sein. Der Diskussion halber werde ich aber hier davon ausgehen, dass er bezüglich der menschlichen Fortschritte völlig recht hat.

 

Beim ersten Blick scheint seine Argumentation überzeugend und erleichternd zu sein. Shermer gibt zu, dass wir offensichtlich diese Frage nicht empirisch beantworten können, da wir ja die einzige bekannte intelligente Rasse sind, aber wir könnten aus logischen Gründen darauf schliessen, dass jede solche fortgeschrittene Art hohe moralische Standards erreicht hätte, auf genau dieselbe Weise, wie Menschen sich diesem Ziel nähern.

So haben wir gute Gründe, zu denken, dass über die Sterne reisende Aliens friedlich und liebevoll sind.

Dennoch zeigt uns eine nähere Untersuchung, dass eine solche Argumentation einen wichtigen Schritt verpasst hat.

Um eine fortgeschrittene außerirdische Zivilisation voller Liebe und Empathie hinzukriegen, müssen die folgenden Bedingungen erfüllt werden:

1) eine intelligente Art entsteht auf einer idealen Planet durch evolutionäre Prozesse

2) diese Art entwickelt eine starke Neigung zur Liebe, Empathie und Altruismus (LEA) neben anderen Instinkten

3) Diese Art entwirft durch eine technologische und kulturelle Evolution gesellschaftliche, politische und ethische Strukturen, die es erlauben, dass LEA optimal ausgedrückt werden.

Ich tendiere dazu, mit Schermers Optimismus einverstanden zu sein, dass mit genug Zeit die außerirdische Zivilisation Strukturen und ethische Prinzipien entwickeln wird, die dazu führen, dass ihre grundlegenden moralischen Instinkte optimal ausgedrückt werden.

Aber hier liegt der Knackpunkt: wie wäre es, wenn eine Art nicht LEA sondern andere Wege entwickelt hat, eine mächtige Rasse zu werden?

Aufgrund der außerordentlich hohen Zahl von möglichen Orten im Universum (geschweige denn im Multiversum!), wo intelligente Lebensforme entstehen können, scheint es fast sicher zu sein, dass es zahllose Welten mit intelligenten Wesen gibt, deren moralische Intuitionen radikal anders sind.

Und ich habe nie einen nicht-zirkulären Grund gefunden, diese Schlussfolgerung zurück zu weisen.

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Und dies untergräbt ganz bestimmt atheistische Versuche, eine objektive Moralität zu definieren. Wenn unsere moralischen Intuitionen evolutionär kontigent sind, sind wir genauso wenig berechtigt, sie als wahr in einem absoluten Sinn zu betrachten, wie eine andere intelligente Art, die inkompatible Intuitionen hat.

Und wenn die Evolution (oder verallgemeinernd die Natur) nicht definiert, was richtig und falsch ist, wie kann eine Weltanschauung, die die Existenz jeder Art von Transzendenz verleugnet, uns eine objektive Begründung der Moralität liefern?

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