Sind Wunder unwahrscheinliche Naturereignisse?

English version: Are miracles improbable natural events?

Stefan Hartmann ist einer der herausragendsten Wissenschaftstheoretiker, die sich mit der Wahrscheinlichkeitsphilosophie beschäftigen.

In einem Interview für die Universität von München ist er auf eine hoch bekannte Glaubensgeschichte im alten Testament eingegangen, um eine provokante Illustration mancher Konzepte zu liefern.

*****

Beginnen wir ganz am Anfang, mit dem Alten Testament. Im 1. Buch Mose offenbart Gott dem schon hundertjährigen Abraham, dass er noch Vater werde. Warum soll Abraham das glauben?
Hartmann: Wenn wir neue Informationen bekommen und uns fragen, ob wir diese in
unser Glaubenssystem einbauen wollen, analysieren wir sie zuerst einmal nach verschiedenen Kriterien. Drei davon sind
besonders wichtig: die anfängliche Plausibilität der neuen Information, die Kohärenz
der neuen Information und die Zuverlässigkeit der Informationsquelle.
Oft zeigen diese Faktoren in die gleiche Richtung, manchmal gibt’s Spannungen – wie in dem Beispiel:
Wir haben es mit einer höchst zuverlässigen Quelle zu tun, mit Gott, der immer die Wahrheit sagt. Die Information aber selbst ist sehr unplausibel, Hundertjährige bekommen keine Kinder. Und sie ist sehr inkohärent: Es
passt nicht in unser sonstiges Glaubenssystem, dass ein Hundertjähriger Vater wird.
Diese Überlegungen gilt es abzuwägen und zu einem Schluss zu kommen, ob wir eine
neue Information in unser Glaubenssystem aufnehmen. Wenn Gott spricht, haben wir
keine andere Wahl, als es zu tun. Käme aber irgendein anderer mit dieser Information,
täten wir es vermutlich nicht, weil die fehlende Kohärenz und die mangelnde Plausibilität durchschlagen.
Das Problem für die Erkenntnistheorie besteht darin, die drei Faktoren zu gewichten.

*****

Es muss klar betont werden, dass keiner der Gesprächsteilnehmer an die Historizität dieser Geschichte zwischen Gott und Abraham glaubt. Vielmehr soll sie der Verdeutlichung von epistemologischen (wissensbezogenen) Problemen dienen.

Als progressiver Christ gehe ich selber davon aus, dass die Überlieferung ziemlich spät entstanden ist, sodass ihre historischen Grundlagen unsicher sind.

Dennoch stellt sie für die Religionsphilosophie einen Ankertext dar und liegt dem berühmten “Glaubenssprung” des dänischen Philosophen Søren Kierkegaard zugrunde.

Aus diesem Grund will ich selber auf Hartmanns Interpretation eingehen, denn ich glaube, dass sie weit verbreitete Missverständnisse unter modernen Intellektuellen deutlich macht.

Es geht nämlich um die von mir unterstrichenen Sätze:

“Die Information aber selbst ist sehr unplausibel, Hundertjährige bekommen keine Kinder. Und sie ist sehr inkohärent: Es
passt nicht in unser sonstiges Glaubenssystem, dass ein Hundertjähriger Vater wird.”

Gemäss Hartmanns Erläuterung sieht es so aus, als ob der Herr dem Abraham gesagt hätte “Bald wirst du auf völlig natürliche Weise durch Zufall ein Kind kriegen”. Und in diesem Fall kann ich mir wohl vorstellen, dass der von Hartmann erläuterte logische Konflikt vorliegen würde.

Aber in der ursprünglichen Erzählung sieht es tatsächlich anders aus:

Hintergrundwissen: Hundertjährige bekommen keine Kinder auf natürliche Weise.

Neue Information: Ein mächtiges übernatürliches Wesen verspricht dem Abraham, dass er ein Kind durch ein Wunder bekommen würde.

So dargestellt bestehen keine offensichtlichen logischen Spannungen mehr.

Aus seiner bisherigen Erfahrung (und der von zahllosen anderen Menschen) kann der “Vater des Glaubens” nur schliessen, dass ein solches Ereignis unter rein natürlichen Umständen äusserst unwahrscheinlich wäre.

Dies sagt aber gar nichts aus über Gottes Fähigkeiten, den ersehnten Sohn durch einen anderen Weg herbeizubringen.

Interessanterweise könnte man genau dasselbe über fortschrittliche Ausserirdischen sagen, die den selben Anspruch erheben würden. Die extreme natürliche Unplausibilität einer solchen Geburt ist gar kein Argument gegen die Möglichkeit, dass überlegene Kreaturen wohl im Stande sein könnten, dies zu vollbringen.

Glaubten Menschen der Antike an Wunder, weil sie die Naturprozesse nicht gut begriffen?

Eine eng damit zusammenhängende Fehlauffassung besteht darin, zu denken, dass wenn andere religiöse Menschen aus der Vergangenheit an Wunder glaubten, sie es nur deshalb taten, weil ihr Wissen über die Naturgesetze extrem unvollständig war.

Wie C.S. Lewis darauf hinwies, ist es irreführend, zu behaupten, dass die ersten Christen an die jungfräuliche Geburt von Jesus glaubten, weil sie gar nicht wussten, wie Schwangerschaft eigentlich fungiert.

Ganz im Gegenteil waren sie sich dieser Sachverhalte sehr wohl bewusst und genau deswegen legten sie  das Geschehnis als Gottes Eingriff aus. Sankt Joseph wäre nicht auf die Idee gekommen, sich von seiner Verlobte zu trennen, wenn es ihm nicht ganz klar gewesen wäre, dass eine Schwangerschaft ohne vorangegangen Geschlechtsverkehr den Gesetzen der Natur zuwider läuft.

Obwohl er zweifelsohne ein äusserst intelligenter Mensch ist, hat meiner Meinung nach Professor Hartmann die Kernproblematik verpasst.

Sind wir für die Existenz eines Gottes offen, dessen Handlungen den statistischen Regelmässigkeiten der natürlichen Ordnung nicht immer entsprechen? Und dessen Vorzüge nicht unbedingt durch unsere menschliche Vernunft nachvollziehbar sind?

Aber wie progressiver evangelikaler Theologe Randal Rauser argumentiert hat glaube ich, dass der wahre epistemologische und moralische Konflikt erst anfängt, wenn Abraham von Gott Jahre später dazu aufgefordert wird, seinen Sohn zu opfern, was tief verwurzelte moralische Intuitionen über Bord wirft.

Wie der frühere deutsche Philosoph Immanuel Kant bezweifelt Rauser sehr, dass ein solcher Befehl mit Gottes Vollkommenheit in Einklang gebracht werden kann.

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Biblische Inspiration und Randal Rauser

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English version: Biblical Inspiration and Randal Rauser

 

Randal Rauser, der zweifelsohne einer der größten evangelikalen Theologen, Philosophen und Verteidiger des Glaubens (sowie ein liebevoller Mann) ist interviewte vor kurzer Zeit den Pastoren und Theologen Tyler Williams über die Kluft zwischen den Resultaten der historischen kritischen Methode und der Art und Weise, wie Pfarrer zu ihren Herden predigen.

Ich beschloss, darüber zu bloggen, weil ich mit genau diesem Problem zwei Tage zuvor konfrontiert wurde.

Ich ging zu einer evangelikalen Bibelstudie über das Johannesevangelium und wies darauf hin, dass viele Aussagen von Jesus dort nicht historisch sein können, weil es zu große Diskrepanzen mit der Weise gibt, wie er sich selbst ausdruckt in den synoptischen Evangelien

Viele Leute dort waren unwillig, darüber zu diskutieren und sagten nur, dass sie die Historizität dieser Passagen annehmen und ihren Glauben darauf aufbauen wollen.

Es ist bestimmt konsistent mit den Bemerkungen von Tyler (und auch von Randal), dass viele Menschen ihre Zweifel nie in der Kirche zugeben, aus Furcht ausgeschlossen zu werden.

Meiner Meinung nach ist es ziemlich unverantwortlich, denn es ist schon wichtig, ob Jesus diese Dinge wirklich behauptet hat oder ob sie der Theologie von Johannes entspringen (der selbst alles von vornherein hätte erfinden können oder wahre Aussagen Christi modifiziert und spritualiziert hätte).

 

Sie erwähnen den Fall von Barth Ehrmann, der nachdem er ein Fundamentalist gewesen war eine starke Entkonvertierung erfuhr und nun den gesamten christlichen Glauben in Frage stellt.

Zurecht betonen sie die Tatsache, dass ein starres Glaubenssystem viele intelligente Personen dazu führen kann, das Kind mit dem Bade aus zu schütten, sodass sie dann Atheisten oder mindestens Agnostiker werden.

Nachher versuchten Randal und Tyler die Doktrin der biblischen Irrtumslosigkeit zu erretten, indem der Sinn des Begriffs so erweitert wurde, dass  Gott beabsichtigte, die gesamte Bibel als einen heiligen Kanon zu deklarieren.

Sie haben recht, dass es mit nicht-historischen und mythologischen Erzählungen innerhalb der Bibel vereinbar ist, da sie uns geistliche Wahrheiten beibringen.

Das Konzept, dass Gott fälschlich zugewiesene Schreiber in den Kanon einschliessen würde ist schwerer zu verschlucken, bleibt dennoch nicht sehr unplausibel, wenn die Autoren profunde spirituelle und moralische Einsichten hatten.

 

Dennoch ist die Gegenwart von “Terrortexten” innerhalb des Kanons, wobei Gott als ein völkermörderischer Monster beschrieben wird, ein unbesiegbarer Einwand gegen jeglichen Glauben an die Irrumslosigkeit.

Randal geht davon aus, dass Gott die Absicht hatte, diese Texte in die Bibel einzuschliessen, um uns zu lehren, Gott gegenüber ehrlich zu sein und um uns die Verderbtheit  unserer eigenen Herzen zu zeigen, die wir allzu einfach auf Ihn hinein projiziert.

Aber es ist sehr problematisch.

Einerseits ist es gewiss richtig, dass sehr früh Gläubige wie die Kirchenväter Origen und Gregor radikal  die in den Terrortexten ausgedruckte Theologie ablehnten. In der Tat, wie Thom Stark und viele anderen darauf hingewiesen haben  hatten sogar andere biblische Autoren wie Ezechiel und Jonah in dieser Hinsicht  eine sehr unterschiedliche Theologie im Vergleich zu den Schreibern von Joshua und Samuel.

Andererseits kann es nicht verleugnet werden, dass die Terrortexte einen sehr schlechten Einfluss auf nicht wenige Menschen ausgeübt haben, die sie als Ausrede missbraucht haben, ihren eigenen Hass zu begründen.

Aus diesem Grund bezweifle ich sehr, dass Gott wollte, dass sie Teil eines Übernatürlichen Kanons werden.

 

Tatsächlich verwerfe ich die Idee, dass die Bibel unser Fundament sein sollte, um zu lernen, wie Gott ist. Ich denke, dass wir unsere Theologie auf dem Konzept basieren sollen, dass Gott perfekt sein muss, um überhaupt Gott zu sein.

Dies sollte unser Startpunkt sein.

Wir können dann  die unterschiedlichsten biblischen Texte als die menschlichen Gesichter Gottes ansehen (um Thom Starks wundervollen Ausdruck zu benutzen), das heißt als genauso inspiriert wie Bücher ausserhalb des Kanons (wie die von den Kirchenvätern, Aquinas, Wesley, C.S. Lewis und nicht zuletzt Randal Rauser selbst verfassten).

Und ich bin überzeugt, dass nicht-christliche Autoren viele Aspekte von Gott erleben können und Dinge über Ihn gut begreifen können.

Wie ich in einer zukünftigen Post argumentieren werde, haben wir gute Gründe zur Annahme , dass auf diese Weise  der Apostel Paulus im Laufe seiner Rede in Athen  einige heidnische Autoren betrachtete.

 

 

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Moralische Entrüstung und göttliche Genozide

English version: Moral Indignation and Divine Genocides. Feel free to comment there at any time!

Moralische Entrüstung und göttliche Genozide

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Ich hatte einen interessanten Emailaustausch mit Andy, einem bekennenden Atheisten aus Nordrhein-Westfalen.

Wir haben uns vor allem über Metaethik unterhalten aber in diesem Post will ich auf spezifische Sachen eingehen, die er über in der Bibel erwähnten Völkermorde geschrieben hat.

“Wenn du dir manche Rechtfertigungen für die Völkermorde im alten Testament anschaust, z.B. die von fundamentalischen Christen wie Paul Copan z.B., dann findest du übrigens exakt die gleichen Rechtfertigungen wie die, die die Nazis hatten – Copan sagt das die Feinde der Israeliten von Grund auf Böse waren, das nicht ein einziger von ihnen nicht böse war, das die Israeliten sie töten *mussten* weil sie sonst getötet worden wären etc. pp. Und genauso wie die Nazis über die Juden gelogen haben, so bin ich mir sicher dass das alte Testament über die Kanaaniter lügt, bei den Lügen der Nazis ist dies leicht zu zeigen, bei den Lügen im alten Testament ist dies schwieriger weil es keine Quellen gibt ausser solche die von den *Tätern* geschrieben wurden (stell dir vor die Nazis hätten den zweiten Weltkrieg gewonnen – dann würden wir heute auch überall lesen das die Nazis der Welt einen Gefallen getan haben weil die Juden von Grund auf Böse waren und unser aller Untergang geplant hatten…)”

Ich bin Andy sehr dankbar,. seine Meinung auf eine solche Weise geäußert zu haben, denn es wirft viele interessante Fragen auf.

In den Büchern von Josua und Samuel wird es berichtet, dass Gott hebräischen Soldaten angeordnet hätte, ein ganzes Volk zu vernichten, wobei es ausdrücklich betont wird, dass Frauen, Kinder und alte Männer dazu gehören.

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Nun gibt es mehrere Möglichkeiten:

1) die wortwörtliche Interpretation unserer europäischen Bibel ist wahr und historisch und

1.a) Gott hat wirklich ein Blutbad eingerichtet

1.b)  Gott hat das gar nicht gewollt, vielmehr haben die alten Israeliten ihren mörderischen Nationalismus auf Ihn projiziert.

2) die wortwörtliche Interpretation unserer europäischen Bibel ist falsch, wir sollten den Vernichtungsbefehl als eine volle militärische Niederlage der Feinde ansehen

3) die Eroberung von Kanaan und die damit verbundenen Genozide sind eigentlich nie passiert. Erst viel später wurden die Moses und Josua zugeschriebenen Bücher von mehreren unbekannten Autoren geschrieben.

3.a) die Autoren dachten wirklich, dass die Völkermorde passiert wären und fanden das gut. Sie haben aber viele falsche Daten und mündliche Traditionen verwendet.

3.b) die Autoren wollten eine mythologische oder symbolische Geschichte ihrer Ursprünge schreiben und hatten keinerlei die Absicht, sorgfältige Historiker zu sein

Wahrscheinlich gibt es andere Möglichkeiten, woran ich nicht gedacht habe.

Ich würde nicht Paul Copan als einen Fundamentalisten bezeichnen sondern als einen konservativen Evangelikalen, der die Doktrin der biblischen Irrtumslosigkeit verteidigen will.

Er hat mir gesagt, dass er solche Befehle als schrecklich ansieht,obwohl sie aufgrund der tragischen Umstände durchgeführt werden sollten.

Da er aber auch seinen Glauben an die Güte Gottes nicht aufgeben will hat er in seinem Buch hauptsächlich versucht, 2) zu verteidigen. Ich gebe ihm Recht, dass die berichteten Vernichtungsbefehle in dem alten nahen Osten manchmal hyperbolisch oder symbolisch sein könnten. Dennoch gibt es viele Fälle, wo man davon ausgehen kann, dass sie ernst gemeint waren, wie Thom Stark in seinem Buch gezeigt hat.

In diesem Zusammenhang finde ich es sehr merkwürdig, dass Copan nur mit 4 Seiten auf ein Buch geantwortet hat, das mehrere hunderte Seiten umfasst und sich danach kaum mehr darum gekümmert hat.

Ich bezweifle sehr, dass es nur an dem aggressiven und respektlosen Ton von Thom Stark in der ersten Version seines Buchs liegt. Danach hat er sich bei ihm entschuldigt.

Da Copan aber sich bewusst ist, dass 2) dubiös sein könnte, hat er auch geschrieben, dass dieser von Gott angeordnete Genozid eigentlich gerecht gewesen wäre. Der beliebteste evangelikale Apologet William Lane Craig hat mehrmals versucht, den Völkermord weiss zu waschen und ich bin auf seinen letzten Versuch eingegangen.

Aber nun muss man die Tatsache betrachten, dass die Eroberung von Kanaan eigentlich historisch äußert unwahrscheinlich ist, und dass die in der Bibel beschriebenen Massaker nie geschehen sind.

Ich weiß ehrlich gesagt nicht, ob 3a) oder 3b) wahr ist. Die Autoren wollten vielleicht wirklich die historischen Ursprünge ihres Volks dokumentieren und haben sich geirrt.

Aber es besteht auch durchaus die Möglichkeit, dass die Autoren eine symbolische Erzählung beabsichtigten, die später als Historie missinterpretiert wurde.

In beiden Fällen glaube ich, dass es sich um menschliche kulturbedingte Gedanken über Gott handelt und sehe die kanonischen biblischen Bücher an auf die selbe Weise wie Bücher außerhalb des Kanons.

Und genauso wie moderne christliche Autoren sich irren können, können auch uralte biblische Schreiber sich irren.

Das Fundament meines Glaubens ist Gottes Vollkommenheit, die immer der Maßstab sein sollte, um jeden religiösen Text zu evaluieren.

Und nun will ich beschreiben, wie eine gesunde und gerechte moralische Entrüstung bezüglich solcher Texte aussehen sollte.

Evangelikalen tendieren sehr stark dazu, nur die schönen Seiten der Bibel zu betrachten, während sie die hässlichen Texte ignorieren oder weginterpretieren. Und sie würden sagen: die Bibel stellt uns auf eine konsistente Weise Gott als vollkommen gut dar.

Das ist zweifelsohne eine Art von Selbsttäuschung.

Aber militante Atheisten begehen den selben Fehler, wenn sie behaupten, die Bibel würde uns auf eine konsistente Weise Gott als ein moralisches Monster darstellen.

Wie Thom Stark in seinem Buch “The Human Faces of God” (die menschlichen Gesichter von Gott) beschrieben hat haben die unterschiedlichen Autoren der Bibel keineswegs dasselbe Gottesbild in Bezug auf die moralische Natur von Gott.

Wenn 1a) oder 3a) richtig sind dann gibt es einen krassen Kontrast zwischen dem Befehl kein Lebewesen in den kanaanitischen Städten zu ersparen und der Verkündigung des Propheten Ezechiel, dass Kinder nie wegen der Sünden ihrer Eltern bestraft sein sollten.

Nun hätte ich den folgenden Ratschlag für intellektuell ehrliche Atheisten: anstatt zu behaupten, dass der Gott des alten Testaments ein psychopathisches Monster ist wäre es besser, folgendes zu sagen:

“Das alte Testament zeigt uns widerspruchsvolle Gottesbilder. An manchen Stellen wird er als barmherzig und liebevoll dargestellt, während er an anderen Stellen als ein psychopathisches Monster beschrieben wird. Dies zeigt uns, dass das Judentum, Christentum und Islam keine offenbarte Religionen sein können, weil man daraus kein widerspruchsfreies Gottesbild ableiten kann.”

Dies wäre viel redlicher und wirksamer als die Behauptung, das alte Testament wäre fast völlig schwarz, denn das kann man leicht widerlegen.

 

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Über die Kunst, herauszupicken

English version: on the art of picking and choosing.    Feel free to comment there!

Eine der beliebtesten Kritiken von christlichen Fundamentalisten und militanten Atheisten zugleich gegen liberale und progressive Christen ist die Behauptung, sie picken die Versen heraus, die sie mögen, während sie die anderen ignorieren.

Ein offensichtliches Problem ist, dass jeder Christ zwangsläufig manche Versen glaubt während er andere ignoriert. Dies ist der Fall, weil die Bibel hoffnungslos widersprüchlich ist, und Menschen eine riesige Schwierigkeit haben, zwei widersprüchliche Glauben in ihrem Geist gleichzeitig zu haben.

Man kann nicht an kollektive Strafe glauben, UND dass Kinder nie für die Sünden ihrer Eltern bestraft werden dürfen, DASS man seinen Feind hassen UND lieben soll, dass Gott den Weg des Übeltäters vorbereitet und Ihm seine Missetaten vorwerfen wird, dass Gott seine Pläne verändert und nicht verändert, und so weiter und so fort.

Wütende Atheisten, die von ihrer fundamentalistischen Vergangenheit angeekelt sind, glauben generell, dass DER Gott der Bibel  ein böses, grauenhaftes Monster ist.

Mit ihrem Glauben glückliche Evangelikalen glauben dagegen, dass DER Gott der Bibel allliebend und wundervoll ist.

Ich glaube, dass beide Seiten sich völlig irren, weil DER Gott der Bibel nicht existiert. Was wir finden sind unterschiedliche Götter IN der Bibel,

Ich glaube, dass es ein simples Kriterium gibt, das man immer verwenden kann, um etwas in der Bibel abzulehnen, das Gott zugeschrieben wurde.

1)     Gott muss notwendigerweise ein perfektes Wesen sein, zumindest viel netter, liebender und gerechter, als wir sind.

2)    Trotz all ihren Makels sind Menschen wohl fähig, Güte und Perfektion zu erkennen (und dies macht uns schuldig, wie Paulus es in Römer 2 ausdrückte).

Es bedeutet, dass wir ziemlich sicher sein können, dass er keinen Völkermord wie im Buch Joshua angeordnet hat.

Aber was, wenn wir eine nette Geschichte im AT finden, wo zum Beispiel Gott es zugelassen hat, dass Joseph durch seine Brüder entführt wurde, damit er seine Familie Jahre später retten konnte? Wenn wir die (später offenbarte) Hoffnung auf ein Leben nach dem Tod betrachtet, scheint mir diese Geschichte mit Gottes Vollkommenheit völlig kompatibel zu sein.
Können wir deswegen daraus schliessen, dass es historisch echt war?

Nein, denn so vorzugehen wäre absurd. Wir können nur sagen, dass eine solche göttliche Beschreibung mit Seiner perfekten Natur im Einklang ist und dass man diesen Text benutzen kann, um selber geistlich aufgebaut zu werden.

Die Bibel ist eine Versammlung von religiösen Büchern (die auch Historie enthalten können), wobei Menschen ihre Gedanken und Erfahrungen mit dem Göttlichen niedergeschrieben haben, auf dieselbe Weise, wie nicht kanonische Schreiber es getan haben.

Ich lese generell die Bibel auf die selbe Weise, wie ich Bücher von den Vätern der frühen Kirche, Luther, Ellen White, Francis Schaeffer, C.S. Lewis, Greg Boyd und so weiter und so fort. lese.

Auf meinen beiden obigen Kriterien basierend, schätze ich ihre Erfahrungen und Gedanken ein, und wende ihre Einsichten auf mein eigenes Wandeln mit Gott an.

Nach Monaten einer sich fort entwickelnden  Theologie ist dies meine aktuelle Sicht der Bibel: kein Satz von Gesetzen und Fakten über das Universum und Gott, aber die “menschlichen Gesichter von Gott”, um den wundervollen Ausdruck von Thom Stark zu benutzen.

Ich glaube wirklich, dass Gott sich der Menschheit und den alten Hebräern auf eine besondere Weise offenbart hat, aber Er tat so auf die selbe Weise, wie Er sich Missionaren in Afrika oder Martin Luther vor einigen Jahrhunderten offenbarte.

Und während ich glaube, dass wir gute Gründe haben, den reduktiven Materialismus abzulehnen, und an eine Transzendenz zu glauben, weiss ich nicht, ob das Christentum wahr ist oder nicht.
Gemäß meiner eigenen Definition bedeutet Glaube Hoffnung, eine Hoffnung auf einen guten Gott, der letzgültig das Übel für immer besiegen wird.

Und WENN dieser Gott existiert, erscheint es mir höchstwahrscheinlich, dass Er sich durch das Leben, Tod und Auferstehung von Jesus von Nazareth offenbart hat.

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Schöpfungswiki

(An English version comes soon!)

Für alle von uns, die an Randgruppen interessiert sind, bietet CreatioWiki eine sehr wertvolle Ressource.

Als naturwissenschaftliche Quelle ist es natürlich sehr dubiös, aber es liefert uns tiefe Einsichten in den Geist von Kreationnisten.

Bild

Ich mag besonders diesen Teil über den Evolutionismus:

Herausforderungen an den Evolutionismus

Kreationisten stellen Evolutionismus häufig aufgrund der folgenden Ideen in Frage:

  • Evolutionismus existierte mehr als 2000 Jahre vor Darwin, in den Schriften von Anaximander, Epicur, Lucretius und den Atomisten, sowie in der Philosophie. Es ist daher keie “neue und wissenschaftliche Entwicklung”, sondern das Wiederaufleben sehr alter und spekulativer heidnischer Ideen.
  • Die primären Grundsätze des Evolutionismus sind metaphysisch, anstatt wissenschaftlich. Damit eine Idee wissenschaftlich ist, muss sie testbar sein. Der heutige Evolutionismus geht von der Abwesenheit jeglicher göttlicher Eingriffe in den Ursprung des Lebens aus, aber diese Abwesenheit kann nicht bewiesen oder getestet werden. Dementsprechend, auch wenn es vorstellbar ist, handelt es sich nicht um Wissenschaft, sondern um metaphysische Spekulation.
  • Insoweit sie testbar sind, erwiesen sich die Vorraussagen des Evolutionismus als Fehlschläge. Die gefundenen Fossilien liefern nicht die Übergangsformen, die gemeinsame Vorfahren bestätigen würden. Die geologischen Funde passen besser zum Katastrophismus als zum Uniformitarismus. Der Ursprung des Lebens selbst wurde bisher durch keinen anderen Weg als einen intelligenten, schöpferischen Akt erklärt.
  • Evolutionisten weisen typischerweise auf all die märchenhaften Ansichten von religiösen Ideologisten. Während sie religiöse Sichtweisen auf kindliche Bildung zurückführen, sprechen sie ihren Opponenten jegliche wissenschaftliche Herangehensweise ab und attackieren sie häufig, anstatt ihre Position mit Fakten und Beweisen zu unterstützen.

Über das angebliche wissenschaftliche Vorwissen der Bibel behaupten sie (unter anderem):

Die Bibel und wie Löwen ihre Beute töten

Bis vor kurzem glaubten Zooologen, dass Löwen ihre Beute dadurch töten, dass sie ihr den Nacken durchbeißen oder diesen durch einen Pfotenhieb brechen.[54] 1972 beobachtete George B. Schaller jedoch selbst Löwen über 3 Jahre lang für insgesamt mehr als 2900 Stunden. Er untersuchte zudem die Beute, um herauszufinden, woran sie starb.

Die Bibel besagt:

Der Löwe raubte genug für seine Jungen und würgte für seine Löwinnen. Seine Höhlen füllte er mit Raub und seine Wohnung mit dem, was er zerrissen hatte. Nahum 2:13

Die wörtliche Übersetzung beschreibt die Tötungsmethode als “erwürgen”.[54] Schaller beobachtete:

Sie (die Löwen) schleichen sich heran, stürzen sich auf die Beute, schlagen eine Flanke, reißen das Tier zu Boden und töten es dann langsam durch erwürgen. (Reader’s Digest, June, 1978)

Der Nacken der Beute wird dabei nicht gebrochen.[54] Heute ist dies unter Zoologen weitbekannt.

Da aber Heimschulen in der BRD verboten sind, bezweifle ich, dass ein solches Werkzeug wirksam sein kann, Kinder von Fundamentalisten vor den Gefahren der Evolutionstheorie zu schützen.

Ich hoffe wirklich, dass sie das schliesslich nicht mehr als Bedrohung für ihren Glauben ansehen werden. Der Kreationnismus ist zweifelsohne einer der Hauptgründe, warum Menschen den Christlichen Glauben aufgeben.

 

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