Kann der Materialismus sinnvoll sein? (Can materialism be meaningful?)

English version: Can Materialism be meaningful?

 

In einer letzten Post habe ich argumentiert, dass der Materialismus (die Überzeugung, dass alles was existiert reduzierbar auf Teilchen und Energie ist) selbst widersprüchlich ist, weil seine Wahrheit selbst nicht mit einem Haufen wechselwirkender Moleküle identisch sein kann.

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Mehrere Leute sagten mir, dass mein Argument falsch sei, weil Materialisten glauben, dass eine “Wahrheit” nicht objektiv existiert sondern nur ein subjektiver Gehirnzustand ist, die Fakten der äußeren Welt entspricht.

 

Es ist ein guter Einwand aber was ist die Tatsache, zu der der Materialismus identisch ist?

Normalerweise macht die einer Wahrheitsbehauptung entsprechende Tatsache sie logisch unvermeidbar.

Lasst uns zum Beispiel die Wahrheit S betrachten: “Die Sonne rotiert nicht rund um die Erde.”

Das entsprechende Faktum ist die periodische Bewegung der Erde um die Sonne herum. Im Angesicht ihrer Wirklichkeit folgt es natürlich, dass S wahr ist und es könnte nicht anders sein.

 

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Oder lasst uns die Wahrheit K berücksichtigen: die meisten Katzen fürchten sich vor Hunden. Aus der Eigenschaften der Gehirnzustände der meisten Katzen folgt C ganz natürlich, und diese Tatsache ist inkompatibel mit der Falschheit von C.

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Betrachtet  nun aber die Wahrheit M des Materialismus: “es gibt gar KEINE Welt, die nicht-materielle Dinge enthält.”

Die zugrunde liegende Tatsache wäre (zum Beispiel) die 10E+57754757785 Partikeln  von allen existierenden Universen.

Aber es gibt ein riesiges Problem hier. Die Wahrheit des Materialismus folgt nicht logischerweise aus den Partikeln selbst. Denn ihre Existenz ist völlig kompatibel mit der Existenz einer parallelen Welt mit nicht-materiellen Sachen.

Ich denke, dass das Problem in den Wörtern “all” und “KEINE” liegt. Sie scheinen, abstrakte Konzepte jenseits der Reichweite des Materialismus zu sein.

Das Faktum, dass die Teilchen alles sind, was existiert, kann nicht innerhalb der selben Teilchen enthalten sein.

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Wenn ich recht habe, sieht es so aus, als ob Materialisten ihre größenwahnsinnigen Ansprüche über die ganze Wirklichkeit aufgeben sollten und sich auf nüchterne Definitionen beschränken  sollten wie “alles in unserem Universum lässt sich auf Materie reduzieren.”

 

Nun bin ich echt neugierig zu erfahren, wie ich herausgefordert sein werde, obwohl ich hoffe, einem guten Argument auf der Spur zu sein 🙂

 

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On the Self Consistency of Reductive Materialism / Über die Selbstkonsistenz des reduktiven Materialismus (Unten)

On the Self Consistency of Reductive Materialism

 

Reductive Materialism (RM) is the belief that everything which is real is identical to interacting particles.

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It is most likely the most popular form of atheism among Western elites.

The existence of truth has always been a problem for Reductive Materialism (RM), but I think a specific, obvious example suffices to show its self-defeating character.

My argument is described below.

1| everything which is real is identical to interacting articles(premise for the reduction)

2| the fact of RM is real

3| therefore the fact of RM is IDENTICAL to a specific set of particles in energy fields

4| not only can we not conceive of this, but the very idea of seeking for such a bunch of particles in the universe sounds utterly absurd

5| therefore RM is an utterly absurd worldview

Now I’m trying to consider all possible objections.

A proponent of RM might reject 2) but then her own worldview would become meaningless.

My guess is that all attacks will be concentrated on step 4|, she will tell me that there does exist a set of elementary particles identical to the truth of RM.

The best answer I could think of would be that the fact of RM is identical with all the matter in the entire universe. But there is a huge problem here: all the particles of the universe (or of the multiverse for that matter) do not contain in themselves the information they are alone and lonesome.

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For the existence of all this particles forbids us by no means to think there are transcendent universes with transcendent laws of nature.

Therefore the (alleged) fact everything which is real is identical interacting particles cannot be identical to all existing material things because this don’t make the existence of other realms unlikely.

Now materialists might respond that the fact of reductive materialism is real and can be identified with a bunch of processes going on within human brains.

I would gladly accept the fact that the truth of materialism only exists within the brains of materialists.

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Über die Selbstkonsistenz des reduktiven Materialismus

 

Der reduktive Materialismus (RM) ist der Glaube, dass alles, was real ist, mit wechselwirkenden Teilchen identisch ist.

Das ist höchstwahrscheinlich die beliebteste Form des Atheismus unter der westlichen Elite.

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Die Existenz der Wahrheit ist immer ein Problem für den Reduktiven Materialismus (RM) gewesen, aber ich denke, dass ein besonderes, offensichtliches Beispiel seinen selbstzerstörenden Charakter offenlegt.

Mein Argument beschreibe ich in den folgenden Zeilen.

1| alles, was real ist, ist mit wechselwirkenden Teilchen identisch (Annahme für die Reductio Ad Absurdum)

2| die Wahrheit des RM ist real

3|deswegen ist die Wahrheit des RM mit einem spezifischen Satz von Partikeln in Energiefeldern identisch

4|wir können das gar nicht auffassen und die Idee selbst, nach einem solchen Haufen von Partikeln im Universum zu suchen, scheint völlig absurd zu sein

5| deshalb ist der RM eine völlig absurde Weltanschauung.

Nun versuche ich, all die möglichen Einwände zu berücksichtigen.

Eine Anhängering vom RM könnte 2| ablehnen, aber dann würde ihre eigene Weltanschauung sinnlos werden.

Ich errate, dass alle Einwände sich auf den vierten Schritt 4| konzentrieren werden, sie wird mir sagen, dass es wirklich einen solchen Satz von Partikeln gibt, der mit der Wahrheit des RM identisch ist.

Die beste Antwort, die mir eingefallen ist, wäre, dass die Wahrheit von RM mit der ganzen Materie des gesamten Universums identisch ist.
Aber es gibt ein riesiges Problem hier: all die Teilchen des Universums (oder des Multiversums, wenn man so will) enthalten nicht in ihnen die Information, dass sie allein und einsam sind.

Denn die Existenz all dieser Partikel verbietet uns keineswegs, zu denken, dass es transzendente Universen mit transzendenten Naturgesetzen gibt.

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Deswegen kann die vermeintliche Wahrheit „Alles, was real ist, ist mit wechselwirkenden Teilchen identisch“ nicht mit allen existierenden materiellen Dingen identisch sein, weil  sie uns keinesfalls zeigen, dass die Existenz von anderen, transzendenten Welten unwahrscheinlich wäre.

Nun könnten Materialisten darauf antworten, dass die Wahrheit des reduktiven Materialismus real ist und mit einer gewissen Anzahl von Hirnprozessen identifiziert werden kann.

Ganz froh akzeptiere ich die Tatsache, dass die Wahrheit des Materialismus nur in den Gehirnen von Materialisten existiert.

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On the feeling of a lonesome bat / Von den Gefühlen einer einsamen Fledermaus / Des sentiments d’une chauve-souris solitaire

To my mind, the existence of consciousness, of a subjective experience is one of the greatest mysteries of the entire universe.

I remember very well my feelings as I followed a course about the origin of life as a high-school student. I was a young atheist and I had no problem to believe there were (and still are) various plausible theories explaining how self-replicating systems can come into being.

Yet, I was deeply puzzled by the very existence of conscious experiences, which I associated at that time with every living things including bacteria.

So I was wondering: “how can a bunch of chemicals lacking any kind of subjectivity become a being with inner experiences and sensations?“

This was for me a startling but awe-inspiring unanswered and probably unanswerable question.

I believe that the intuitions I had then as a teenager are still largely valid, and that what has been called the “hard problem of consciousness“ is unanswerable within a reductive materialist framework.

I define Reductive Materialism (which I’ll refer to as RM) as the belief that everything which is real is identical with the sum of an ensemble of physical objects and processes involving the interaction of matter and energy.

It is certainly no problem for RM to state that the chair I’m sitting on is reducible to a heap of cellulose and lignite molecule occupying a certain shape in space.

But what about the following situation: a neuroscientist of the future has isolated a bat in a very complex machine which allows him to know exactly all chemical and electrical processes taking place within the brain of the poor animal. Suddenly, the bad emits an ultrasound and the researcher measures absolutely everything going on in its body.

Would he know what the bat subjectively felt as it sent out the ultrasound?

This is a question which the great philosopher Thomas Nagel famously raised in his groundbreaking article: „What is it lile to be a bat?“ which is freely available on the internet. I recommend readers unfamiliar with this line of arguments to first take a look at the groundwork.

The argument against RM one might derive from his ideas is as follows:

  1. if RM is true, someone knowing all the physical processes making up the subjective experience of a creature would know that experience

  2. a brilliant neuroscientist in such a position couldn’t know what the above bat experiences

  3. therefore RM is false

While examining the philosophical literature on this topic, I was astounded to see that most reductive materialists don’t contest the validity of 2). Intuitively, it seems to be obviously true.
Our current scientists are already capable of knowing a lot about the physics and chemistry of what’s going on in a bat’s brain, and I fail to see how any increase in our understanding of the synaptic impulses could provide us with a knowledge of the inner experience of our evolutionary distant fellow mammal.

This is probably the reason why it is premise 1) which is generally denied.
Many reductive materialists would say that even if we knew everything about the neurology of such a brain, we would not know what the being experiences because the structure of our own brain is too different.

I’ve never understood how one can make sense of that in a materialist framework.
If the subjective experience is as material as the atoms of the chair I’m sitting on and the electrical processes of the computer I’m using, then why would a complete knowledge of physics allows me to know everything about both objects but not about the feelings of the animal?

Let us suppose that species A and species B dispose of brains enabling them to perfectly understand physics and chemistry while being radically different in other respects. It makes only sense to say that species A cannot know what species B feels if these very feelings are something MORE than physics and chemistry, that is if one form of dualism is true.

So to my mind a reductive materialist has no other choice than to deny premise 2).
In spite of our strong intuitions an exhaustive knowledge of the brain’s physics of the animal would allow the scientist to know subjectively what the bat is experiencing.

But this seems very close to if not indistinguishable from eliminativism, the belief that what we refer to as our subjective experience is an illusion, probably spawned by evolution.

An obvious epistemological problem of this position is that the existence of our conscious experience is immediate and much more certain than complicated physical, chemical and biological theories.

In such a context, dualism (which I define as the belief that mental and physical processes are not identical) appears to be the most reasonable position.

 

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Meiner Meinung nach ist die Existenz des Bewustseins, einer subjektiven Erfahrung, ein der größten Geheimnisse des ganzen Universums.

Ich errinerre mich sehr gut an meine Gefühle, als ich als Gymnasiumschüler einen Unterricht über den Ursprung des Lebens hatte. Ich war ein junger Atheist und hatte kein Problem, zu glauben, dass es vielfältige plausible Theorien gab und immer noch gibt, die die Entstehung von selbstreplizierenden Systemen erklären.

Dennoch war ich über die Existenz von bewussten Erfahrungen sehr erstaunt, die ich zu dieser Zeit mit jedem lebendem Wesen (einschliesslich Bakterien) verband.

So fragte ich mich: “wie kann ein Haufen von Chemikalien ohne irgendwelche Art von Subjektivität ein Wesen mit inneren Erfahrungen und Empfindungen werden?”.

Dies war für mich eine verblüffende aber ehrfurchtgebietende unbeantwortete und wahrscheinlich unbeantwortbare Frage.

Ich glaube, dass meine Intuitionen als Teenager weitaus gültig sind, und dass was das “schwierige Problem des Bewustseins” benannt wurde in einem reduktiv materialistischem Rahmen unbehandelbar ist.

Ich definiere den reduktiven Materialismus (die ich fortan als RM bezeichnen werde) als den Glauben, dass alles was real ist mit der Summe eines Satzes von physikalischen Objekten und Prozessen identisch ist, die die Wechselwirkung von Materie und Energie involvieren.

Es ist ganz bestimmt kein Problem für RM auszusagen, dass der Stuhl, worauf ich sitze, reduzierbar auf ein Haufen von Zellulose- und Lignitmolekülen ist, die eine gewisse Form im Raum besetzten.

Aber wie sollte man die folgende Situation betrachten: ein Neurowissenschaftler der Zukunft hat eine Fledermaus in einer sehr komplexen Machine isoliert, die ihm erlaubt, genau alle chemischen und elektrischen Prozesse zu kennen, die innerhalb des Gehirns des armen Tieres stattfinden.

Plötzlich emittiert die Fledermaus einen Ultraschall und der Forscher misst wirklich alles, was in ihrem Körper vorgeht.

Würde er wissen, was die Fledermaus subjektiv fühlte, als sie den Ultraschall aussandt?

Dies ist eine Frage, die der große Philosoph Thomas Nagel in seinem bahnmbrechenden Artikel „What is it lile to be a bat?“ aufwarf, der auf Internet freilich verfügbar ist. Ich empfehle Lesern, die mit dieser Art von Argumenten nicht vertraut sind, zuerst einen Blick auf das Grundwerk zu werfen.

Das Argument gegen RM, das man aus seinen Ideen ableiten kann, sieht folgendermaßen aus:

  1. wenn RM wahr ist, würde jemand, der all die eine subjektive Erfahrung eines Geschöpfs ausmachenden physikalischen Prozesse kennt, diese Erfahrung kennen
  2. ein brillanter Wissenschaftler in einer solchen Position könnte die Erfahrung der Fledermaus nicht kennen
  3. deswegen ist RM falsch

Als ich die philosophische Literatur über dieses Thema untersuchte, war ich verblüfft, festzustellen, dass die meisten reduktiven Materialisten die Gültigkeit von 2) nicht bestreiten. Intuitiv scheint es, selstverständlich wahr zu sein.

Unsere gegenwärtige Wissenschaftler sind schon fähig, viel über die Physik und Chemie der Vorgänge in einem Fledermausgehirn zu wissen, und es gelingt mir nicht, einzusehen, wie irgendwelche Verbesserung unseres Verständnisses der synaptischen Impulsen uns die Kenntnis der inneren Erfahrung des evolutionär entfernten Säugetiers liefern würde.

Dies ist vermutlich der Grund, warum die Prämisse 1) generell verleugnet wird.

Viele reduktive Materialisten würden sagen, dass sogar alles über die Neurologie eines solchen Gehirns wissen würden, würden wir nicht wissen, was das Wesen erlebt, weil die Struktur unseres eigenen Gehirns zu anders ist.

Ich habe nie verstanden, wie das in einem materialistischen Rahmen Sinn machen kann.

Wenn die subjektive Erfahrung genauso material wie die Atome meines Stuhls und die elektrischen Prozesse meines Computers ist, warum würde dann eine vollständige Kenntnisse von Physik mir erlauben, alles über beide Objekte zu wissen, obwohl es für die Gefühle des Tiers nicht der Fall ist?


Lasst uns annehmen, dass die Art A und die Art B über Gehirne verfügen, die ihnen erlauben, vollkommen Physik und Chemie zu verstehen, obwohl sie in anderen Hinsichten extrem unterschiedlich sind. Es macht nur Sinn, zu sagen, dass die Art A nicht wissen kann, was die Art B fühlt, wenn diese Gefühle MEHR als Physik und Chemie sind, d.h. wenn eine Form von Dualismus wahr ist.

So meiner Meinung nach haben reduktive Materialisten keine andere Wahl, als Prämise 2) zu verleugnen.

Trotz unserer starken Intuitionen würde eine vollständige Kenntnis der Gehirnsphysik vom Tier dem Wissenschaftler erlauben, subjektiv zu wissen, was das Tier erlebt.

Aber dies scheint, dem Eliminativismus sehr nahe oder sogar damit identisch zu sein. Der Eliminativismus ist der Glaube, dass was wir als unsere subjektive Erfahrung bezeichnen eine Illusion ist, die vermutlich durch die Evolution hervorgerufen wird.

Ein offensichtliches Problem dieser Position ist, dass die Existenz unserer bewussten Erfahrung unmittelbar und viel gewisser als komplizierte physikalische, chemische und biologische Theorien ist.

In einem solchen Kontext scheint der Dualismus (den ich als den Glauben definiere, dass mentale und physikalische nicht identisch sind), die vernünfigste Position zu sein. 


Lothars Sohn – Lothar’s son

https://lotharlorraine.wordpress.com